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Wenn, dann richtig

Leider wird das Thema Korrosionsschutz im Trockenbau noch immer nicht ernst und wichtig genug genommen. Gert Wesser erklärt Grundlagen sowie Anforderungen und gibt wichtige Hinweise, wie C3- und C5-Profile richtig montiert und ggf. nachbearbeitet werden.

Wenn, dann richtig
Nur wenn mit der Blechschere gearbeitet wird, wird die Korrosion verhindernde Beschichtung geschont. Foto: Knauf Aquapanel

Vielleicht liegt es daran, dass die standardmäßige Verzinkung der Trockenbauprofile Glauben macht, es läge grundsätzlich ein ausreichender Korrosionsschutz vor. De facto reicht dieser werksseitig „eingebaute“ Korrosionsschutz nicht aus, wenn es darum geht, Trockenbaukonstruktionen im Bereich von Feuchtund Nassräumen zu montieren. Hohe Luftfeuchtigkeit und/oder das Vorhandensein verschiedener korrosiver Stoffe (Sulfate, Chloride, Schwefeldioxid etc.) können im Laufe der Jahre zu einer tiefgreifenden und die Stabilität der Konstruktion gefährdenden Korrosion (Rost) der metallischen Bauteile
führen.

Daher verlangen die entsprechenden Normen für den Einsatz dünnwandiger Stahlprofile im Bereich von Feuchträumen zusätzlich zu der Verzinkung eine Korrosionsschutzbeschichtung nach den Korrosionsklassen der DIN 55 634. Gerade Bauaufsichtsbehörden und Versicherungen achten aufgrund aktueller Schadensfälle zunehmend auf die Einhaltung der entsprechenden Normen und technischen Vorgaben. Eine Nichtbeachtung der Vorschriften kann zu Deckenabstürzen führen (insbesondere im Bereich der Schwimmbäder und Wellnesseinrichtungen).

Grundsätzlich gibt es verschiedene Schwachstellen

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Nicht fachgerecht bearbeitete Schnittkante eines C5-UA-Profils. Hier muss unbedingt nachgearbeitet werden.

Entscheidend für die richtige Auswahl und Ausführung der entsprechenden Arbeiten ist die korrekte Planung. Dabei herrschen auch heute noch aufseiten der Planer wie auch auf Seiten der Fachunternehmer Unsicherheiten, wann und wo in einem Bauwerk feucht- bzw. nassraumgeeignete Konstruktionen vorzusehen sind. Hilfe bei der Auswahl der richtigen Korrosivitätskategorien bietet die DIN EN 12 944-2, in der eine Einteilung unter Bezug auf verschiedene Umgebungen erfolgt. Bei der Planung von Unterdecken ist deren Einteilung in Beanspruchungssklassen aus DIN EN 13 964 zu berücksichtigen. Die entsprechenden Prüfverfahren für die auf die Bauteile aufgebrachten Korrosionsschutzsysteme werden in der DIN 55 634 definiert. Für stückbeschichtete Bauteile gelten die Prüfkriterien aus der DIN EN ISO 12 944-6. So ist grundsätzlich ein zusätzlicher Korrosionsschutz notwendig, wenn es um die folgenden Einsatzbereiche geht:

  • Bauteile im Freien oder Bauteile, zu denen Außenluft ständig Zugang hat (z. B. offene Hallen und Garagen)
  • Bauteile in geschlossenen Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit bei normaler Raumtemperatur (z. B. gewerbliche Küchen, Bäder, Wäschereien, in Feuchträumen von Hallenbädern)
  • Bauteile, die häufiger starker Kondensatbildung und chemischen Angriffen nach DIN 4030 ausgesetzt sind
  • Bauteile, die besonders korrosionsfördernden Einflüssen (z.B. durch ständige Einwirkungen angreifender Gase oder Tausalze oder starken chemischen Angriffen nach DIN 4030) ausgesetzt sind.
Heute haben sich in der täglichen Praxis weitgehend die Korrosivitätskategorien C3 und C5 durchgesetzt. In aller Regel werden immer dann C3- Konstruktionen vorgesehen, wenn es um den Ausbau von Bädern, industriellen Wäschereien, Brauereien oder auch Molkereien geht. Aber auch z. B. in Kliniken gibt es vielfachen Bedarf für Feuchtraumkonstruktionen, wie z. B. im Bereich der Zentralsterilisationsabteilungen.

Die noch hochwertigeren Beschichtungssysteme entsprechend der Korrosivitätskategorien C5 kommen oft im Bereich der Schwimmbadhallen (chlorid- und/oder sulfathaltige Umgebung), Saunabereichen, Außenanwendungen im
Küstenbereich und auch beim Ausbau von Chemieanlagen zum Einsatz.

Die Schutzschicht besteht aus Mehrschichtsystemen

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Die entsprechenden Prüfverfahren werden in der DIN EN ISO 12 944-6 definiert. Hier wird auch die jeweilige Schutzdauer in drei Bereichen (kurz/mittel/lang) aufgeführt.

Voraussetzungen für das Erreichen einer langen Schutzdauer ist die richtige Wahl des Beschichtungssystems. In der DIN 55 634 werden Beispiele für Beschichtungsstoffe und Beschichtungssysteme für den Korrosionsschutz von dünnwandigen Bauteilen aus Stahl beschrieben. Die Beschichtungsstoffe werden überwiegend nach der Art des Bindemittels unterschieden, beispielsweise Acrylharz oder Epoxidharz.

Für die Produktion von C3-Profilen werden vom Profilhersteller in der Regel entsprechend hochwertig beschichtete Stähle verwendet, die dann profiliert werden. In der Regel wird für C5-Profile und das Zubehör für C3- und C5 Konstruktionen das Korrosionsschutzsystem über eine Stückbeschichtung aufgebracht. Aufgrund dieses erheblichen Mehraufwands sind C5-Bauteile in aller Regel deutlich teurer als C3-Bauteile.

Bei der Lagerung feuchtraumgeeigneter Unterkonstruktionen ist darauf zu achten, dass die Bauteile nicht die Oberfläche beschädigenden Einflüssen ausgesetzt sind. In der Regel ist es sinnvoll, diese hochwertigen und kostenintensiven Konstruktionsteile separat zu lagern und entsprechend abzudecken.

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Für die Korrosivitäskategorie C5-I gelten zusätzliche Prüfkriterien

Wichtig: Im Bereich feuchtraumgeeigneter Unterkonstruktion sollte unbedingt auf die Verwendung von schnell laufenden Der dabei entstehende Funkenflug kann bei den in der Nähe ungeschützt gelagerten C3/C5-Profile und Zubehörartikel sowie bei abgelängtem Profil zu einer unzulässigen Beeinträchtigung der Korrosionsschutzwirkung der Oberflächenbeschichtung führen. Gleichzeitig kommt es dabei zu einer Überhitzung des abgelängten Profils und somit der Verzinkung und auch der Beschichtung. Der Korrosionsschutz ist damit nicht mehr gewährleistet.

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Deckeneinsturz in einem Schwimmbad. Es müssen nicht immer die Profile sein, die versagen. Auch die Dübel müssen der ständigen Atmosphäre von Chlorverbindungen gewachsen sein.

Bei der Ausführung der entsprechenden Arbeiten kommt es insbesondere auf die fach- und sachgerechte Montage sowie die sorgfältige Behandlung der Bauteile und der entsprechenden Schnittkanten an. Wichtig ist dabei: Auf der Baustelle entstandene Schnittkanten sind bei C3-Profilen und bei allen C5-Konstruktionen mit einem auf das Beschichtungssystem abgestimmten Beschichtungsmaterial nachträglich zu beschichten. Dieses Beschichtungsmaterial wird in der Regel von den Herstellern der Bauteile geliefert. Dann hat der Rost auch in feuchten und aggressiven Umgebungen keine Chance und die Trockenbaukonstruktionen sind langfristig sicher und stabil.

Tipps zum Korrosionsschutz: Darauf Sollten Sie achten!

  • Gerade bei Feuchträumen macht es Sinn, z. B. CWProfile schon über den Baustofffachhandel in der jeweils benötigten Länge zu bestellen. Diese sogenannten Fixlängen sind dann werksseitig bereits auf Länge geschnitten und bei C5-Profilen sind die Schnittkanten ebenfalls beschichtet! Diese Fixlängen werden von verschiedenen Herstellern bereits ab einer Kleinbundmenge ohne Aufpreis geliefert.
  • Einige Hersteller bieten Abhänger mit Beschichtungssystemen an, die ein nachträgliches Biegen zulassen ohne dass ein Abplatzen der Beschichtung entsteht. Andere Hersteller liefern schon vorgebogene Teile. Grundsätzlich ist auf ein mehrmaliges Biegen zu verzichten!
  • Gerade bei der Montage der Noniusklammern ist es wichtig, die Beschichtung der Abhänger nicht zu beschädigen. Daher liefern Markenhersteller diese Noniusklammern unbeschichtet. Nach der Montage sind diese Klammern im eingebauten Zustand mit der entsprechenden Beschichtung zu versehen.
  • Achten Sie auf Kontaktkorrosion. Aluminium, Edelstahl und Zink bilden in feuchtem Milieu unter Feuchtigkeitseinfluss sogenannte „Lokalelemente“. An den Kontaktstellen kann es daher bei nicht fachgerechter Montage schnell zu intensiven Korrosionserscheinungen kommen. Wenn sich der Einsatz dieser Materialien nicht vermeiden lässt, sind entsprechende nicht leitende Puffer vorzusehen, um einen direkten Kontakt der Metalle zu vermeiden.
  • Eine feuchtraumgeeignete Unterkonstruktion kann nur dann funktionieren, wenn die Verarbeitung den entsprechenden Vorgaben entspricht und eine eventuell mögliche Kontaktkorrosion vermieden wurde. Hierzu gehören neben den Profilen und den Abhängern natürlich auch die Schrauben, Dübel und Profilverbinder.

Bei Beachtung der entsprechenden Normen und Vorgaben ist die Erstellung einer feucht- und nassraumgeeigneten Trockenbaukonstruktion im Innen- oder Außenbereich eine sehr anspruchsvolle und gleichzeitig auch wirtschaftlich interessante Aufgabe.