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Wandsysteme: Im goldenen Ei

Ein goldenes Ei befindet sich im Atrium der Kühne Logistics University in der Hamburger HafenCity. Es besteht aus gebogenem Stahl und rund verleimten Hölzern. Die runden Wände der Innenschale sind aus einer senkrecht gestellten flachen Gewölbekonstruktion heraus entwickelt. Ein Audimax mit 299 Sitzplätzen entstand. Von Jörg Schröder und Gerard Halama. (Foto: Knauf/Gerard Halama)

Wandsysteme Kühne Logistics University
Highlight im Atrium der neuen Logistics University ist das große Auditorium in Form eines goldenen Eies. Foto: Knauf/Gerard Halama

Pläne für ein eigenes Gebäude der Kühne Logisticsgabe es schon seit 2009. Ursprünglich sollte es ein Neubau sein. Doch als ein ehemaliges Verwaltungsgebäude in der HafenCity zum Kauf stand, griff der Investor zu. Das sechsgeschossige Bauwerk aus dem Jahr 2002 mit großem Atrium wurde gekauft und zur Wissenschaftlichen Hochschule für Logistik und Unternehmensführung umgebaut. Viele Seminar-, Schulungs- und Verwaltungsräume fanden in dem Gebäude Platz. Was allerdings fehlte, war ein Auditorium maximum.

Deshalb wurde der 299 Sitzplätze bietende große Vorlesungssaal von MPP in Form eines überdimensionalen goldenen Eies in das Atrium integriert. Die Idee eines großen goldenen Eies, das dem Bestandsgebäude neues Leben einhaucht, ist faszinierend. Mithilfe einer Visualisierungssoftware stand schnell fest, wie es gestalterisch aussehen sollte. Danach folgten die realen Vorgaben: 299 Sitzplätze, mindestens 1,2 m breite Fluchtwege innen links und rechts der Sitzreihen, eine mindestens 2 m breite Fluchttreppe außen und ein Schalldämmmaß Rw,R von 47 db zum Atrium und zum Bestandsgebäude hin.

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Die Architekten von MPP begannen die Eiform so anzupassen, dass die Wandflächen im Untergeschoss nicht zu schräg nach außen laufen und im ansteigenden Auditorium im Obergeschoss die erforderliche Kopffreiheit gesichert ist.

Die Architekten von MPP begannen die Eiform so anzupassen, dass die Wandflächen im Untergeschoss nicht zu schräg nach außen laufen, andererseits im ansteigenden Auditorium im Obergeschoss die erforderliche Kopffreiheit gesichert ist. Der unterste, erste und größte Radius beträgt 50,95 m und hat seinen Mittelpunkt 4,69 m über der Erdgeschossdecke. Auf dieser Höhe schließt sich an diesen Radius tangential ein 11,75 m großer Radius an. Dieser geht nach wenigen etern in einen 3,15 m großen Radius über, um schlussendlich mit einem Radius von 2,16 m in das fast flache Dach des ies zu münden (siehe Zeichnung 2).

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Gleich einer Schiffskonstruktion wurden die senkrechten Stahlspanten im besagten Raster aufgestellt. Sie bestehen aus HEB-200-Stahlstützen, die entsprechend der vier Radien (50,95 m/11,75 m/3,15 m/2,16 m) aus vier einzeln gebogenen Trägersegmenten zu einem Stahltragwerk zusammengeschweißt wurden.

Im senkrechten Schnitt weist das Auditorium an allen Stellen gleiche Radien auf. Anders dagegen in den waagerechten Schnitten. An der breitesten Stelle des Auditoriums, sie befindet sich etwa in 4,7 m Höhe über Rohfußboden, wurden folgende Radien ermittelt: 19,79 m, 7,29 m, 11,8 m, 40,3 m, 18,3 m, 8,8 m und 5,3 m. Unter und über der breitesten Selle sind die Radien jeweils kleiner. Insgesamt sind in den verschiedenen waagerechten Schnitten des Auditoriums über 120 verschiedene Radienvorgaben für das Handwerk entwickelt worden.

Tragwerk aus Stahl und Holz ermöglicht hohe Lasten
Um das neue Auditorium mit den Lasten der Eihülle aufnehmen zu können, mussten Stützen und Unterzüge der zwei darunter liegenden Untergeschosse verstärkt werden. Im Gegenzug galt es, die Konstruktion des neuen Auditoriums auf das bestehende Gebäuderaster von 5,4 m abzustimmen. Gleich einer Schiffskonstruktion wurden die senkrechten
Stahlspanten im besagten Raster aufgestellt. Sie bestehen aus HEB-200-Stahlstützen, die entsprechend der vier Radien (50,95 m/11,75 m/3,15 m/2,16 m) aus vier einzeln gebogenen Trägersegmenten zu einem Stahltragwerk zusammengeschweißt wurden. Noch komplexer gestaltete sich die Produktion der 13 waagerechten, alle 70 cm liegenden und im Radius variierenden Holzspanten. Sie bestehen aus 75 mm dicken und 200 mm breiten Furnierschichtholzrippen, die CNC-gefräst in über 120 verschiedenen Radien gefertigt wurden.

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In die Stahl-/Holzkonstruktion wurde eine eigene Innenschale eingezogen. Sie basiert auf der Knauf-Flachkuppel-konstruktion D193, vorgebogen im Radius des goldenes Eies. Foto: Knauf

Die Herausforderung waren aber die gebogenen Innenflächen des Auditoriums in der Oberflächengüte Q4. Das gesamte Paket konnte nur Knauf lösen. Die Abteilung Sonderkalkulation und Objekte (SOKO) entwickelte nach den
geometrischen Vorgaben der Planer eine schalltechnisch entkoppelte runde Innenschale. Basis für die Innenschale ist die Knauf-Flachkuppelkonstruktion D193. Sie besteht für dieses Objekt aus CD-Profilen, die mit CD-Profilverbindern mit
Vierkantrohren und Abhängern auf den waagerechten Holzspanten aufliegen und dort auf einem Filzstreifen entkoppelt
verschraubt sind. Die CD-Profile 60/27 wurden von Knauf in den geforderten Radien (50,95 m/11,75 m/3,15 m/2,16 m) gebogen. Gleiches galt auch für die waagerechten Vierkantrohre 20 × 20 × 2 mit CD-Profilverbindern, die auf den Holzspanten aufliegen. Diese Vierkantrohre wurden von Knauf in den geforderten über 120 verschiedenen Radien gebogen und angeliefert.

Die Handwerker von Fritzke Innenausbau montierten im ersten Schritt die gebogenen waagerechten Vierkantrohre 20 × 20 × 2 mit CD-Profilverbindern an den alle 70 cm liegenden Holzspanten. Danach folgte die senkrechte Montage
der gebogenen CD-Profile. Schmale Plattenstreifen auf den CD-Profilen geschraubt waren anschließend die Basis
für die zweilagige Beplankung mit Piano- GKB.