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Holzbau: Schöner arbeiten

Im Großraum München wurde ein Büro- und Werkstattgebäude komplett in Holzbauweise erstellt. Die Vorfertigung der Wandelemente im Werk sorgte dabei für kurze Bauzeiten. Schlanke, mit Gipsfaser- Platten beplankte Wandkonstruktionen bieten den geforderten Brand- und Schallschutz und sind Teil des konstruktiven Energiekonzepts.

Holzbau: Schöner arbeiten
Gewerbebauten in Holzbauweise sind (noch) die Ausnahme. Dabei kann man mit dieser Bauweise nicht nur energetisch wie bauphysikalisch sehr gute Gebäude erstellen, sondern auch optisch ansprechende Interieurs schaffen.

Arbeit und Wohlbefinden müssen einander nicht ausschließen. Auch eine
Gewerbeimmobilie kann durchaus inHolzrahmenbauweise erstellt werden und dabei ansprechende Architektur, hohe Funktionalität und ein angenehmes Arbeitsklima miteinander verbinden. Diesen Beweis traten zwei im Umweltbereich tätige Firmen an, als sie sich für ihren Firmensitz im Münchner Umland für den Naturbaustoff Holz entschieden.

Entstanden ist in Niederhummel ein zweistöckiger Neubau mit einer Grundfläche von ca. 24 × 16 m, in dessen Untergeschoss Werkstätten untergebracht sind. Auf der ersten Etage befinden sich Büros. Der langgestreckte Bau mit seiner Fassade aus unbehandeltem Lärchenholz ist als liegende Rhombus-Schalung konzipiert. Ökologische und energetische Aspekte sind durchlaufende Holz-Aluminium- Fenster mit Dreifachisolierung, Dachbegrünung, konstruktive Sonnenschutzmaßnahmen, Wärmepumpe und Erdkollektoren sowie Heizestrich für einen niedrigen Energieverbrauch. Nach Angaben des Architekten beträgt die Ener giekennzahl des kompakten Baus 11,7 kWh/m2a und liegt damit deutlich unter der Grenze des Passivhausstandards.

Außenwände mit GF-Beplankung für Brand-, Schall- und Wärmeschutz

Naturbaustoff Holz
Auch bei Gewerbeimmobilien kommen die Vorteile des Holzbaus voll zum Tragen.

Realisiert wurde das neue Büro- und Werkstattgebäude komplett in Holzrahmenbauweise. Die Umsetzung des von Architekt Martin Werner vom Münchener Architekturbüro mw.architektur geplanten Objekts erfolgte durch die Firma Kobus, die beim Objekt gleichzeitig als Generalunternehmer auftrat. Sämt liche Dach- und Wandelemente sowie die Decken des Objekts wurden vollständig vorgefertigt und anschließend per Tieflader zur Baustelle geliefert. Die fertigen Wände wurden lediglich mechanisch mit Montagewinkeln in der Bodenplatte befestigt sowie untereinander verschraubt.

Holz in allen Lagen
Decken, Wände, Wandbekleidungen, Dach und Fassade – Holz ist das primäre Baumaterial in diesem Objekt. Der Werkstattbereich wurde sogar raumseitig mit OSB-Material als Sichtplatte versehen.

Alle Außenwände wurden als 33 cm dicke Holzständerwände ausgeführt, die raumseitig mit einer doppelten Lage aus 2 × 12,5 mm dicken Gipsfaserplatten (Fermacell) beplankt wurden. Lediglich im Bereich der Werkstatt wurde raumseitig zusätzlich eine OSB-Platte als Sichtplatte aufgebracht. Die Außenwandkonstruktion wird durch eine einfache Lage aus 12,5-mm-Gipsfaser- Platten und einer Winddichtungsbahn nach außen hin abgeschlossen. Als Unterkonstruktion für die waagerechte Leistenschalung aus Lärche (24 mm dick) wurde darauf eine 30 mm dicke Lattung aufgebracht. Die Wärmedämmung im Wandhohlraum erfolgte durch 24 cm dicke Mineralwolle. Insgesamt erfüllt die Konstruktion die Anforderungen der Brandschutzklasse F30-B. Sie bietet gleichzeitig einen Schallschutz von ≤ 45 dB. Außerdem kann damit die im Vorfeld der Planung geforderte hohe Wärmedämmung gewährleistet werden.

GF-Platten passen in das energetische Gebäudekonzept

Beidseitig beplankte Innenwände
Die Innenwände wurden beidseitig mit einer einfachen Lage GF-Platten (12,5 mm) beplankt und mit Mineralwolle gedämmt. Schalldämmwerte von 42 dB werden so erreicht.

Die Innenwände wurden beidseitig mit einer einfachen Lage aus 12,5 mm Gipsfaser- Platten und Mineralwolldämmung im Wandhohlraum ausgeführt. Die Konstruktion erreicht Schalldämmwerte von 42 dB. Eingesetzt wurden raumhohe Platten in Standardbreite, die objektbezogen in den erforderlichen Höhen im Werk hergestellt wurden. Sie wurden vertikal verarbeitet. Ihre Befestigung erfolgte auf der Unterkonstruktion (Achsabstand der Holzrippen 62,5 cm) mit verzinkten Stahlklammern. Bei zweilagiger Beplankung wurde die obere Lage direkt in der unteren Plattenlage befestigt. Wichtig ist dabei, auf einen Stoßversatz der Plattenlagen untereinander von mindestens 20 cm zu achten. Die Fugen wurden als Klebefugen ausgeführt.

Massive Holzdecke
Statt einer üblichen Holzbalkendecke wurde hier eine massive Brettstapeldecke montiert. Durch eine Profilierung der Deckenunterseite konnte eine gute Raumakustik ohne weitere Maßnahmen erzielt werden.

Mit einer massiven Brettstapeldecke kam beim Objekt zudem eine Alternative zur standardmäßigen Holzbalkendecke zum Einsatz. Dabei bestehen die einzelnen Deckenelemente aus Holzbrettern, die mechanisch miteinander verbunden sind. Durch eine spezielle, an diesem Objekt erstmals ausgeführte Akustikprofilierung der Deckenunterseite konnte gleichzeitig eine gute Raumakustik ohne zusätzliche Maßnahmen erreicht werden. Die Brettstapeldecke kommt ebenfalls bei den Decken des Obergeschosses zum Einsatz. Die Konstruktion wurde nach oben hin mit Gefälledämmplatten abgeschlossen, die die notwendige Wärmedämmung bieten und gleichzeitig das innenliegende Dachentwässerungssystem bedienen.

Mit dem Einsatz von Gipsfaser-Platten konnte das ökologische Konzept, das von Architekt Martin Werner entworfen wurde, rationell, schnell und kostengünstig realisiert werden, ohne dass dabei Zugeständnisse an die Qualität gemacht werden mussten. Und Architekt Martin Werner ergänzt: „Bei diesem Objekt besteht die Holzkonstruktion aus Wänden in Holztafelbauweise und Brettstapeldecken. Mit dieser Konstruktion können Leimverbindungen vermieden werden. Für mich ein ökologischer Pluspunkt.“

Gipsfaserwände in Feuchträumen
Die Gipsfaserwände sind hart im Nehmen und wurden sogar in den Feuchträumen eingesetzt, weil sie als Fliesenuntergrund geeignet sind.

Gleichzeitig erfüllen die Gipsfaser- Platten von Fermacell alle bauphysikalischen Anforderungen. Die Platten bieten aufgrund ihrer Faserarmierung eine hohe mechanische Beanspruchbarkeit. Durch Imprägnierung, mit der alle Platten standardmäßig ausgerüstet sind, war außerdem eine Verarbeitung in den Feuchträumen unbedenklich möglich, zumal die Platten ohne jede Einschränkung als Fliesenuntergrund geeignet sind. Hinzu kommt Sicherheit durch hohen Feuerwiderstand.

Der Bau des Büro- und Werkstattgebäudes in Niederhummel zeigt: Wer Wert auf individuelles architektonisches Design legt, kann dies auch in Holztafelbauweise realisieren und profitiert darüber hinaus von den Vorteilen ökologischen Bauens.