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Außen Lärche, innen Gips

Beim Bau und Ausbau einer KiTa in Dresden setze das Architekturbüro Stellwerk auf ein weitreichend ökologisches Baukonzept, in dem Holz und Gips- bzw. Gipsfasersysteme die Hauptrollen spielen. (Foto: Volker Kreidler, Berlin/Saint-Gobain Rigips GmbH)

Außen Lärche, innen Gips
Alle Räume der Kindertagesstätte gruppieren sich um ein zentrales Atrium, das von oben mit Tageslicht versorgt wird. Der gesamte Ausbau erfolgte in Holz- und Trockenbau. Foto: Volker Kreidler, Berlin/Saint-Gobain Rigips GmbH

Mit dem gelungenen Ausbau schaffte es das Ausbauteam der
Gebrüder Mielke bei der letzten Rigips Trophy, auf die Liste der Nominierten zu kommen.

Der Fahrstuhlschacht ist heute der einzige Ort im „Grunaer Käfer“, wo man auf eine Konstruktion aus Stahlbeton trifft. Ansonsten ist die komplette Kindertagesstätte im Dresdner Stadtteil Gruna in Holzbauweise errichtet: Das zweigeschossige Gebäude mit mehreren Zwischenebenen wurde als Holzrahmenbau auf einer Bodenplatte ausgeführt und umfasst eine Bruttogrundfläche von rund 1.200 m². Alle Räume des Kindergartens gruppieren sich um ein zentrales, von oben belichtetes Atrium.

Öffnungen wurden vor Montage in die Platten geschnitten

Nach außen prägt vor allem unbehandeltes Lärchenholz als Fassadenverkleidung den modernen Bau. Innen herrschen hochwertige Gips- und Gipsfaserkonstruktionen vor. Der komplette Innenausbau erfolgte in Trockenbauweise nach streng ökologischen Gesichtspunkten. Für die Umsetzung war das Ausbauteam der Gebrüder Mielke Bau GmbH verantwortlich. „Neben den detaillierten Vorgaben des Architekten zur Gestaltung mussten auch zahlreiche Anforderungen in puncto Brandschutz und Unfallverhütung berücksichtigt werden“, erinnert sich Geschäftsführer Daniel Mielke.

Außen Lärche, innen Gips
Die Holzwände wurden bereits werkseitig mit einer Dampfbremse ausgestattet. Um die Luftdichtebene nicht zu beschädigen, mussten alle Wandöffnungen vorab genau in die Platten geschnitten werden. Foto: Saint-Gobain Rigips GmbH

So wurden unter anderem sämtliche Gebäudeaußenwände mit Rigips Bauplatten RB 12,5 mm zweilagig direkt auf einer OSB-Unterkonstruktion beplankt. Dort, wo aus Schallschutzgründen eine schwingende Befestigung erforderlich war, wurden die Wände auf Federschienen-Unterkonstruktionen ausgebildet. Mielke: „Die Holzwände wurden bereits in der Vorfertigung mit einer Dampfbremsebene ausgestattet. Entsprechend konnten wir benötigte Ausschnitte und Durchdringungen nicht einfach nach der Montage in die Gipsplatten einbringen. Wir hätten damit die Luftdichtebene der Gebäudehülle beschädigt. Also mussten wir alle Wandöffnungen vorab sehr genau einmessen und bereits vor der Beplankung in die Platten schneiden.“

Zwischen Erd- und Obergeschoss wurde anschließend eine abgehängte selbstständige Brandschutz-Unterdecke in F 30-A (gemäß Rigips-System 4.10.13) montiert. Die Grund- und Tragprofile erhielten eine doppelte Beplankung aus Feuerschutzplatten RF (2 × 12,5 mm) des Herstellers. Im lichtdurchfluteten Atrium errichtete das Team um Daniel Mielke geschossübergreifende, bis zu sechs Meter hohe Wände. Die Basis bildeten dort CW- 100-Profile des Herstellers im Ständerabstand von 31,25 cm. Die Profile zu den Außenwänden hin wurden ab einer Höhe von circa vier Metern auf die dort beginnende Fassade angelandet. Auf der Innenseite wurden die Wände des Atriums auf voller Höhe zweilagig mit Bauplatten RB 12,5 mm beplankt.

Widerstandsfähige Konstruktionen bei Treppe und in Spielzimmern

Außen Lärche, innen Gips
Der Treppenaufgang wurde komplett aus Holz und Gipsplatten konstruiert. Die Wände des Treppenlaufs wurden auf beiden Seiten zweilagig mit der Rigipsplatte „Die Dicke“ (2 × 25 mm) robust beplankt. Foto: Saint-Gobain Rigips GmbH

Die Verbindung zwischen Erd- und Obergeschoss schafft ein Treppenaufgang im Atrium, der ebenfalls komplett aus Holz und Gipsplatten konstruiert wurde. An einer vom Zimmerer errichteten Unterkonstruktion aus Vollholz und einer ersten Beplankung mit OSB-Platten errichteten die Trockenbauprofis an der den Treppen zugeneigten Seite zunächst eine weitere Holzunterkonstruktion zum Ausgleich der Maßtoleranzen. Auf der Außenseite wurde eine Unterkonstruktion aus Rigips UA-Profilen erstellt. Anschließend wurden die Wände des Treppenlaufs auf beiden Seiten zweilagig mit der Gipsplatte „Die Dicke“ (2 × 25 mm) robust beplankt.

Mielke: „Hier ging es vor allem darum, eine möglichst widerstandsfähige Konstruktion zu errichten, die auch die Forderungen der Unfallkasse in Bezug auf die möglichen Anpralllasten zuverlässig erfüllt. Die den Treppenlauf begrenzende Wand erhielt zudem einen integrierten Handlauf. Auch hier spielte das Thema Unfallverhütung und insbesondere der Klemmschutz eine Rolle: Die Aussparungen haben wir ein ganzes Stück größer ausgeführt, als es für den Handlauf eigentlich notwendig gewesen wäre.“

Aber nicht nur Sicherheitsüberlegungen, sondern auch funktionale Gründe machten unterschiedliche Konstruktionen sinnvoll. So ist es im Konzept des KiTa-Trägers explizit vorgesehen, dass alle Räume dem Spiel und Erlebnis dienen sollen. Bei schlechtem Wetter können dann auch schon mal Bobby-Car-Rennen in den Fluren oder den Gruppenräumen stattfinden – entsprechende Rempeleien miteingeschlossen. „In Wandbereichen, die besonders harten Beanspruchungen ausgesetzt sind, haben wir deshalb eine zweilagige Beplankung aus besonders widerstandsfähigen Gipsfaserplatten gewählt. So erhielten zum Beispiel die Wände in den Sport- und Bewegungsräumen eine doppelte Beplankung aus 12,5 mm Rigidur H-Platten. Sie bieten Anprallschutz und haben den Vorteil, dass sich auch schwere Sportgeräte und Gerüste sicher an ihnen befestigen lassen“, so Daniel Mielke.

Trockenbautechnik verbessert die Akustik und beugt Rissen vor

Außen Lärche, innen Gips
In allen Spiel- und Gruppenräumen verbessern abgehängte Akustikdecken mit Streulochung die Raumakustik. Foto: Volker Kreidel, Berlin/Saint-Gobain Rigips GmbH

Wo viel gespielt, geturnt und gelacht wird, muss natürlich auch etwas für die Raumakustik getan werden. In nahezu alle Räume, mit Ausnahme der Flure und Lagerräume, wurden Rigiton-Akustikdecken eingebaut. Hierfür wurde zunächst die Unterkonstruktion aus einem CD- 60/27-Kreuzraster bis zu 200 mm tief abgehängt, teilweise über Noniusabhänger, teilweise direkt an den Holzstapeldecken. Anschließend erfolgte die Montage der Akustikdecken mit Streulochung und die Erstellung umlaufender Friese sowie die Integration der Beleuchtung.

Für helle und freundliche Räume sorgen darüber hinaus auch die großzügigen Fensterflächen, Terrassentüren und Lichtkuppeln, die in unterschiedlichen Höhen und Ebenen vor allem im Bereich des Atriums errichtet wurden. Mielke: „In einigen Räumen haben wir verglaste Gauben integriert, die den Blick auf die darunter liegenden Ebenen ermöglichen und für viel Licht in allen Winkeln des Gebäudes sorgen.“ So robust die Wände und Decken konstruiert wurden, so viel Arbeit investierte das Ausbauteam auch in die Oberflächenqualität und die Langlebigkeit der erstellten Bauteile. So erhielten alle Gips- und Gipsfaserflächen eine Q3-Oberflächenbehandlung.

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Auch bei der gelungenen Lichtgestaltung der KiTa half der Trockenbau mit Konstruktionen und Oberflächentechnik. Foto: Volker Kreidel, Berlin/Saint-Gobain Rigips GmbH

Auch das spätere Arbeiten des Holzes wurde beim Ausbau und der Oberflächenherstellung berücksichtigt. An sämtlichen Fugen, Anschlüssen, Ecken und Graten wurden rissbewehrende Spachtelbinden eingelegt. Hier zeigte sich, wie sehr die Baustoffe Holz und Gips zueinander passen. Daniel Mielke zählt auf: „Die im Entwurf vorgesehenen Rücksprünge in mehreren Ebenen, der Anschluss sämtlicher Fensterlaibungen mit Schattenfugen, angedeutete Blindfenster, die Integration der Verdunkelungsanlagen – all das konnten wir dank flexibler Trockenbausysteme ohne jegliche Vorfertigung direkt vor Ort erstellen.“