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Aufgesattelt

Die "Alte Brauerei" in Meerbusch wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und nun umfassend saniert. Im Zuge dessen erhielt die bestehende Bausubstanz eine prägnante Dachaufstockung, die heutigen energetischen Gesichtspunkten gerecht wird.

Die "Alte Brauerei" erzählt eine Wirtschaftsgeschichte vom Handwerksbetrieb zum Industrieunternehmen, das in Spitzenzeiten bis zu 12.000 Hektoliter Bier jährlich produzierte. Über die Jahre wuchs die Brauerei um verschiedene Gebäudeteile, die zwar verbunden, aber aufgrund ihrer unterschiedlichen Gebäudehöhen als eigenständige Baukörper zu identifizieren waren. Erst 1950 wurden das Sudhaus, die Kellerei sowie der Brauereiturm zu einem Bauwerk vereint.

Nachdem das Gebäude mehrere Umnutzungen und Leerstände durchlebt hatte, kaufte die Projektgesellschaft "Alte Brauerei" das Gebäude von der Stadt. Die von ihr durchgeführten Maßnahmen erhielten den Charakter der über 120 Jahre alten Industriearchitektur und setzten durch Anbauten einen Akzent. So entstanden auf rund 3500 m2 und fünf Geschossen eine große Büromöbel-Ausstellung sowie weitere Räumlichkeiten der Inwerk-Gruppe.

Bauherr gefiel Charme der Brauerei

"Die Räume waren eine Herausforderung", erzählt Architekt Jan Sternel vom Düsseldorfer Architekturbüro rheinschiene.architekten. "Die Nutzung als Brauerei und Getränkehandel hat Spuren hinterlassen. Ebene Bodenflächen waren selten. Stattdessen fanden sich zahlreiche Podeste und Arbeitsplattformen, Stahlsäulen, eine Gärwanne und Bierkeller mit dicken Mauern."

Genau diese Anmutung gefiel Bauherr Jens Hohenbild von Beginn an: "Allein die Plattformen in unterschiedlicher Höhe und Größe machen die Räume zu etwas Einzigartigem. Entsprechend kam es für uns gar nicht infrage, diese herausreißen zu lassen. Vielmehr dienen sie uns heute als Podeste, um Möbel auf mehreren Ebenen zu präsentieren." Da es keinen Dachboden gibt, kann der Besucher von einigen Schauräumen aus direkt in das Dachgebälk sehen. Das Raumerlebnis wird durch die Höhe der Ausstellungsräume und das alte Ziegelmauerwerk unterstützt.

Bestehende Dächer neu gedämmt

"Damit die Innenarchitektur Gestalt annehmen konnte, war es nötig, die Dämmmaßnahmen am Gebäude wohl überlegt durchzuführen", so Sternel. "Zum Teil sind die Mauern, die das Bier kühl halten sollten, ziemlich dick. Entsprechend waren die energetischen Schwachstellen der Gebäudehülle an den Dachflächen zu finden." Die Hauptflügel des Gebäudes sowie das ehemalige Verwaltungsgebäude werden künftig als Gästehaus genutzt. Das Steildach hat eine Fläche von rund 1200 m2 und wurde mit einer kombinierten Zwischen- und Untersparrendämmung aus Steinwolle saniert.

"Es sind einfach die Kleinigkeiten, die viel Zeit kosten. Das Ziegelgemäuer ist an einigen Stellen zum Beispiel uneben. Entsprechend detailliert mussten die Mauerwerksanschlüsse der Dampfbremse ausgebildet werden." Auf die 120 mm dicke Zwischensparrendämmung "Klemmrock 035" ist die Dampfbremse "Intello climate" verlegt worden. Danach folgte die Anbringung einer 50 mm dicken Untersparrendämmung "Cliprock 035", um die Dämmleistung nochmals zu erhöhen.

An die Schrägdachflächen grenzen drei kleinere Flachdächer, bei denen das Regenwasser mithilfe von Steinwolle-Gefälledachplatten abgeführt wird. Dafür wurde auf der Dampfbremse (Bitumenbahn mit Aluminiumeinlage) eine Grunddämmung aus druckbelastbaren, 110 mm dicken Dämmplatten lose verlegt. Darauf wurde die zweite Lage der Flachdachdämmung, ein zweiprozentiges Gefälledach ("Georock") bzw. die mit einer Kehlgefälleplatte ("Keprock") hergestellte Punktentwässerung verlegt. Dämmstoffkleber fixiert dies auf der Grunddämmung. Die Lagesicherung des kompletten Dachaufbaus erfolgte danach mechanisch im Klettsystem. Dabei werden auf der druckbelastbaren Dämmung Klettbänder verlegt, mechanisch befestigt und die Abdichtungsfolie fixiert. Bis zu 400 mm Steinwolle sorgen für den energieeffizienten Abschluss des Gebäudes.

Dachaufstockung in Holzbauweise

Der auffälligste Gebäudeteil ist eine Dachaufstockung auf dem größten der drei Flachdächer. Rund 280 m2 zusätzliche Nutzfläche wurden mithilfe einer Holzkonstruktion geschaffen, die wie ein Riegel auf der historischen Fassade sitzt. Durch die von der Firma Lignatur vorgefertigten Holzkastenelemente konnte die gesamte Deckenkonstruktion trotz winterlicher Temperaturen innerhalb von zwei Tagen montiert werden, der Aufbau war nach 14 Tagen abgeschlossen.

Hinter den mit 120 mm Steinwolle ("Flexirock") gedämmten Gefachen der Holzständerwände befinden sich die Büroräume der Mitarbeiter, die regelmäßig zur "Ausstellung" avancieren. "Eigentlich sind fast alle Räume in der ‚Alten Brauerei‘ direkt oder indirekt Ausstellungsfläche. Das gilt auch für die Arbeitsplätze unserer Mitarbeiter", erzählt Hohenbild.

Rohrschalen und Kabelbandagen sichern den Brandschutz

Die für die Haustechnik verantwortlichen Firmen nutzten die Nichtbrennbarkeit von Steinwolle. So wurden Rohrabschottungen mit der "Conlit 150 U" Rohrschale von Rockwool ausgeführt. In den Kappendecken wurden dazu Kernbohrungen zur Aufnahme der abgeschotteten Rohrleitungen erstellt. Durch die geprüfte Brandschutzsystemlösung kann auf ein Einmörteln der Abschottung verzichtet werden. Die Decken müssen nur mit dem Durchmesser der erforderlichen Durchführungen geöffnet werden. Die Abschottung von Kabelbündeln erfolgt mit einem Trägergewebe, das beidseitig mit einem weißen, unter Hitzeeinwirkung aufschäumenden Material beschichtet ist. Die Bandage wird einfach um die Kabelbündel gewickelt und durch die Bauteilöffnung geführt. Auf das Beschichten der Kabel konnte damit verzichtet werden. Regelmäßig begrüßt Hohenschild die Kunden in den neuen Räumen: "Und deren Blicke wandern fasziniert zwischen Büromöbeln und Gebäude hin und her." berichtet der Bauherr. "Damit ist unser Ziel erreicht."