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Trocken ausgebaut

Bei der Konversion eines alten Militärgebäudes zu Gastronomie- und Präsentationsräumen leisteten präzise vorgefertigte Trockenbaukonstruktionen die Basis für hochfeine Oberflächen. Und die Akustik verbesserte das Ausbauunternehmen gleich mit.

Trocken ausgebaut
Güldener Wein. Vorbei die Zeit angestaubter Winzerromantik. Heute wird Wein als schickes Luxusprodukt in Designumgebung vermarktet. In der Landauer Vinothek „Par terre“ ist das goldene „Pantheon“ der Höhepunkt der Inszenierung.

Früher wurden im Gebäude 041 Panzer repariert. Heute befindet sich genau hier ein optisches wie kulinarisches Highlight am Südrand der Innenstadt von Landau in der Pfalz. Das ehemalige Kasernengelände „Estienne et Foch“ bildete hier mit über 3.000 Soldaten einen der größten französischen Garnisonsstandorte in Deutschland. Als das französische Militär Ende der 1990er-Jahre vollständig abgezogen war, ging die 330 Hektar große Liegenschaft nach und nach in das Eigentum der Stadt über. Das Filetareal wurde zu einem großen städtebaulichen Konversionsprojekt mit zahlreichen hochwertigen Wohnbauprojekten.

Auf einige Gebäude hielt der Landeskonservator jedoch seine Hand. Eines davon ist das Gebäude 041. Der lang gestreckte Backsteinbau beherbergt heute eine Vinothek, in der Winzer die Weine der Region vermarkten, einen Gastronomiebetrieb sowie ein Architekturbüro im oberen Geschoss. Das Umbaukonzept der Vinothek „Par Terre“ (Designlab Michael Michalsky, Berlin) setzt auf die Inszenierung der Reduktion. Statt Flaschenstapel zu arrangieren, findet sich der Wein im offenen, kaum möblierten Showroom in gläsernen Klimaschränken aufgereiht oder in hinterleuchteten, golden strahlenden Wandnischen.

Die gusseisernen Stahlstützen blieben teilweise sichtbar, wo sie der Inszenierung dienen. Andere Stützen wurden mit GK-Konstruktionen aufgeweitet, um in das Rastermaß anderer Zusammenhänge wie etwa Theken zu passen. Auch die ursprüngliche Holzbalkendecke blieb erhalten. Oben wurde aus Gründen des Trittschalls ein Zementestrich aufgebracht, unten wurde die Decke mit einer GK-Konstruktion geschlossen. Nur im benachbarten Restaurant sind die Holzbalken noch sichtbar. Hier wurden die Deckenfelder mit Akustikplatten (Heradesign) geschlossen.

Ausbauunternehmer rät aus Erfahrung zu einer Akustikdecke
Ursprünglich war eine reine GK-Decke in der Vinothek geplant. Große Glasflächen an der Fassade, schallhartes Parkett, viele glatte Wandflächen und reduzierte Möblierung: Ausbauunternehmer Wolfgang Rocker aus dem benachbarten Edenkoben brauchte nicht lange, um aus seiner Erfahrung auf eine leistungstärkere Akustiklösung an der Decke zu raten. Die Designer entschieden sich schließlich für eine großformatige Rasterung der Decke (1,25 × 1,25 m). Das Bandraster wurde aus MDF-Material gefertigt. Wolfgang Rocker: „Es war aus unserer Sicht hier das beste Material für die Befestigung und die anschließend gewünschte Lackierung.“

Die Rasterstreifen wurden in der eigenen Schreinerei des Ausbaubetriebs gefräst, vorgefertigt und grundiert. Vor Ort wurden sie dann an die Unterkonstruktion geschraubt und vom Malerunternehmen (Maler Wind) lackiert. In diese Rasterkonstruktion wurden dann Akustikdeckenplatten (BER) eingelegt, wobei die Weißtöne von Bandraster und Akustikelementen aufeinander abgestimmt wurden. In den Kreuzungspunkten des Bandrasters wurden zudem Aussparungen für die Aufnahme von LEDs gefräst. Sie wirken wie kleine Glanzlichter auf der strahlenden Decke.

Herzstück des Trockenbaus in der Vinothek ist aber das sogenannte „Pantheon“ – ein lang gestrecktes, vollständig in Gold gefasstes Gewölbe, in dessen hinterleuchteten Nischen besondere Weine der Region präsentiert werden. Wolfgang Rocker wusste auch hier aus Erfahrung, das ein „Basteln“ einer solchen Konstruktion vor Ort nicht infrage kam: „Die geplante Beschichtung und die geforderte Q4-Oberfläche stellten höchste Anforderungen an die Präzision der ohnehin nicht einfachen Konstruktion. Auch aus zeitlichen Gründen wäre eine Einzelmontage vor Ort auch nicht wirtschaftlich gewesen.“

Abhilfe schaffte die Firma Formplan (Offenbach). Hier wurde anhand der Planvorgaben eine Metallunterkonstruktion vorgebogen und exakt zugeschnitten. Auch die GK-Platten wurden entsprechend zugeschnitten. Alle Materialien kamen dann als Bausatz auf die Baustelle nach Landau und konnten hier so präzise zusammengefügt werden, dass eine hochwertige Q3-Verspachtelung den Abschluss der Trockenbauarbeiten bildete.

Viel Aufwand und Beratung für den richtigen Goldton
Angesichts des komplizierten Farbauftrags übernahm der Maler die Spachtelung in der Premiumstufe Q4, grundierte und legte per Spritzauftrag dann ganzflächig eine Amphibolinschicht im Farbton der anschließenden Goldfassung vor. Blattgold oder Schlagmetall kam für die Designer nicht infrage. Gesucht war eine Goldoberfläche mit „leicht changierender Optik, dezenter Patina und einem definierten, traditionellen Goldton“.

Auf der Suche nach dem richtigen Farbton und der stimmigen Oberfläche wandte sich das Büro Michalsky an das Farbdesignstudio von Caparol. Dort fertigte man gleich mehrere Goldmuster an, wobei sich in aufwendigen Abstimmungen letztlich Capadecor Metallocryl Interior als das beste Produkt erwies. Nach weiteren Variationen fixierte man den Farbton Palazzo 215 genauso wie die Applikationsmethode. Denn die besondere Geometrie des rund 30 m² großen Gewölbes mit seinen gekrümmten Flächen verlangte nach flexiblen Werkzeugen.

Die Lösung steuerte Caparol-Anwendungstechniker Volker Bastian in Form eines dreischichtigen Aufbaus bei. „Jede Schicht wurde zunächst mit einer mittelflorigen Rolle vorgelegt und dann mit einem zusätzlich gerundeten Gummispachtel im Kreuzgang verzogen“, erklärt Fachberater Wolfgang Reichling, der zusammen mit seinem Kollegen Volker Bastian zur Realisierung beitrug. Fünf Monate nahm der komplette Umbau in Anspruch. Zur Eröffnung der Landesgartenschau auf dem Gelände konnte auch die Vinothek öffnen und mit trocken ausgebauten Weinen und Räumen glänzen.