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Profilhäuser: Leichter heißt schneller

Durch den Einsatz von Modulbausystemen lassen sich die Bauzeiten gegenüber einer Massivbauweise extrem reduzieren und die Baukosten senken. So geschehhen bei einem zweigeschossigen Familienhaus, welches bereits im Sommer 2013 fertig gestellt wurde. (Foto: Rockwool)

Profilhäuser: Leichter heißt schneller
Die Luftdichtheit des „RockShell“ Wandbausystems wird durch die OSB-Platten auf der Innenseite des Systems hergestellt. Die Anschlüsse der OSB-Platten sind dauerelastisch abgedichtet. Foto: Rockwool

"Schon beim ersten ‚RockShell’-Haus hat uns der Bauprozess überzeugt. Deshalb haben wir uns entschieden, das System jetzt für die Realisierung eines weiteren Gebäudetyps einzusetzen“, sagt Boy Meesenburg, Vorstand und Inhaber der Jacob Sönnichsen AG, die das zweigeschossige Einfamilienhaus „Torge“ errichten ließ. Drei Facharbeiter des Flensburger Trockenbauunternehmens Carstensen mit einem Helfer haben für die Errichtung der Außenwände des zweigeschossigen Gebäudes mit seinen rund 145 m² Wohnfläche gerade drei Wochen gebraucht.

Arndt Scherdin vom Architektenbüro Lorenzen aus Flensburg, das verschiedene Hausmodelle für die Gartenstadt Weiche entworfen hat, berichtet: „Das Zusammenspiel aller Bauschaffenden hat wichtige Erkenntnisse und dem Bauherrn ein gutes Ergebnis eingebracht. Zum Beispiel bedingte die offene und großzügige Grundrisslösung des Erdgeschosses eine Deckenspannweite von 4,50 m. Die statische Gesamtkonstruktion des Hauses lässt dieses nun durch die Ausbildung von Decken und Wänden als lastabtragende Scheiben zu. Für die Geschossdecke fiel die Wahl dabei auf eine einfach zu erstellende Holzbalkendecke. Da zudem erhöhte Anforderungen an den Schallschutz zu erfüllen waren, wurde auf eine hochwertige Trockenestrichkonstruktion zurückgegriffen, die schwimmend auf einem Wabendämmsystem aufliegt. In eine Unterkonstruktion aus Kartonwaben wird hierzu eine Schüttung aus leichtem Recyclingmaterial eingebracht. Ein großer Vorteil liegt neben der hohen Dämmwirkung dabei auch in der sofortigen Nutzbarkeit des Aufbaus.“

Horizontale Windlasten müssen sicher abgetragen werden

OSB-Platte RockShell Wandbausystem
Die OSB-Platte auf der Innenseite des „RockShell“ Wandbausystems darf nur durch die Gebäudetrennwand unterbrochen werden, wenn durch Berechnungen nachgewiesen werden konnte, dass die aussteifende Wirkung erhalten bleibt. Foto: Rockwool

Planer Oliver Ebrecht war von der Zusammenarbeit mit den übrigen Baubeteiligten auf der Baustelle beeindruckt: „Wir konnten durch den Austausch noch einige Verbesserungen erarbeiten. Mit Modulbausystemen arbeitet man auf den Millimeter genau. Eine in Ortbeton erstellte Bodenplatte mit angegossener Aufkantung kann aber so präzise nicht ausgeführt werden. Das bringt Probleme bei der Befestigung der Profile. Deshalb haben wir die Aufkantung nicht mit der Bodenplatte zusammen gegossen, sondern mithilfe von Betonfertigteilen hergestellt. Über deren Längs- und Querfugen kann der Anschluss an das Modulbausystem bei der Montage millimetergenau angepasst werden.“

Die Montage ist so einfach wie ein Baukastensatz

Geschossdecke eines Profilhauses
Generell gilt, dass die oberste Geschossdecke eines Profilhauses Zugkräfte aus der Dachkonstruktion aufnehmen und als Schubplatte die Windaussteifung des Gebäudes optimieren muss. Foto: Rockwool

Eine Untersuchung des Passivhaus Instituts Darmstadt aus dem Jahr 2011 belegt: Das Modulbausystem sorgt nicht nur für einen schnellen Baufortschritt, sondern ist auch uneingeschränkt geeignet für die Errichtung von Passivhäusern. Deshalb glaubt Oliver Ebrecht an den Erfolg des Systems nicht nur im Einfamilienhausbau: „Dort, wo neue Gebäude errichtet werden sollen, geht meiner Meinung nach kein Weg am Einsatz von Modulbausystemen vorbei. Die Vorteile wie schneller Baufortschritt und ideale Bedingungen für den Innenausbau sowie die Energieeffizienz der Gebäude sind durch den Massivbau kaum zu schlagen. Dazu kommt, dass jeder Leichtbau nur geringe zusätzliche Lasten aufs Dach bringt. Das System ist deshalb interessant für Aufstockungen und Anbauten im Bestand. Ich persönlich glaube, dass der Kombination aus Massiv- und Leichtbau in diesen Bereichen die Zukunft gehört.“

Aus Sicht des Tragwerkplaners sind der Kreativität des Planers im Umgang mit dem „RockShell“-System kaum Grenzen gesetzt. Machbar sei z. B. auch ein Zweigeschosser mit Drempel: „Über Innenwände als weitere lastableitende Elemente kann der Drempel zusätzlich ausgesteift werden. Die Ausbildung der Dachbinder könnte den geänderten Bedingungen angepasst werden und die Untergurtlage, die im System eigentlich so gerechnet ist, dass sie keine weiteren Elemente für einen vertikalen Lastabtrag braucht, könnte man auch wieder als Scheibe ausbilden und zum Abtrag von Windlasten heranziehen. Dann sollte ein zweieinhalbgeschossiges Haus ohne Probleme zu bauen sein.“ Sollen mehr als zwei Vollgeschosse, z. B. im Rahmen einer Baulückenschließung, errichtet werden, so müssten laut Oliver Ebrecht die Anschlusspunkte an der Solplatte neu durchdacht werden. „Aber möglich ist auch das. Deshalb halte ich das Profilhaussystem für eines, das schon bald bei der Lösung vieler Bauaufgaben wertvolle Dienste leisten wird.“

Planer, die mit „RockShell“ ein- oder zweigeschossige Wohnhäuser planen wollen, finden Detailzeichnungen zu nahezu allen vorkommenden Anschlüssen im Bauhandbuch zum System. Ebenso Tipps zur Montage.