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Oben auf mit Leichtigkeit

Ein kleines Gebäude der Bahn AG bei Mainz wurde behutsam für neue Nutzungszwecke saniert. Rentabel machte den Kauf und die Sanierung eine Aufstockung, die innerhalb weniger Wochen mit dem Leichtbausystem RockShell realisiert werden konnte. (Foto: Deutsche Rockwool Mineralwoll GmbH & Co. OHG)

Bahnhof Niederolm
Aufgestiegen. Kaum wiederzuerkennen ist der alte Bahnhof von Nieder-Olm nach Fertigstellung der Aufstockung, durch die rund 190 m2 Bürofläche geschaffen wurde. Alle Fotos: Deutsche Rockwool Mineralwoll GmbH & Co. OHG

Fahrkartenverkauf, Wartehalle und Lagerräume für Frachtgut beherbergte ein kleines Gebäude der Bahn AG, das am Gleis 1 in Nieder-Olm bei Mainz 1965 errichtet wurde und nun von der Bahn nicht mehr genutzt werden sollte. Seine zentrale Lage machte es allerdings für Investoren interessant. Den Zuschlag erhielt schließlich ein Kreis von Privatinvestoren um den Architekten Dipl.-Ing. Wolfgang Jestaedt aus Mainz, der das Objekt als Zeitzeuge verstand und eine behutsame Erweiterung, Sanierung und Umnutzung zu einem Gastronomiebetrieb plante. Für zusätzliche Mieteinnahmen soll eine Aufstockung sorgen.


Im Oktober 2012 fiel der Startschuss für die Montage der Aufstockung. Nicht nur aufgrund fehlender Angaben zur Statik des Bestandsgebäudes war von vornherein klar, dass eine Aufstockung nur in Leichtbauweise möglich sein würde. Hierbei entschied man sich nach reiflicher Überlegung für das System „RockShell“ von Rockwool. Seine Außenwände schlagen in der Gesamtbilanz mit unter 40 kg/m² für alle Systembauteile zu Buche.

Aufbau RockShell-Wände
Die Endstützen des Wandsystems bestehen aus zwei C-Profilen, die miteinander verschraubt sind und so einen Kasten bilden. Alle Fotos: Deutsche Rockwool Mineralwoll GmbH & Co. OHG

Hinzu kommen je nach Fassadengestaltung ca. 20 kg für die Beplankung und ca. 13 kg für Dämmung und Beplankung der Installationsebene. Dipl.-Ing. Thorsten Wand, Key Account Manager für das System beim Hersteller Rockwool und Berater vor Ort: „Häufig liegt das Gewicht des Systems damit noch einmal deutlich unter dem einer herkömmlichen Holzrahmenkonstruktion, aber natürlich vor allem deutlich unter dem Gewicht einer Aufstockung in Massivbauweise.“ Das RockShell Wandbausystem zur Erstellung tragender Außenwände kombiniert tragende Stahlprofile und verdichtete Steinwolle. Eine Installationsebene auf der Innenseite sowie eine Fassadenbekleidung auf der Außenseite komplettieren die Außenwand.

Doch in Nieder-Olm gab es außer der Statik noch weitere Probleme zu lösen, z. B. das des schiefen Dachs. Mit Hilfe eines umlaufenden Ringbalkens aus Brettschichtholz ließ Wolfgang Jestaedt deshalb zunächst eine zentimetergenaue Ausgleichsebene auf dem Dach des Bestandsgebäudes installieren. Auf den Ringbalken wurden die Außenwände der Aufstockung gesetzt, die aus 270 cm hohen Standardelementen des neuen Modulbausystems gefertigt wurden. Auf zusätzliche Fensterstürze konnte verzichtet werden. Die Fenster wurden direkt an das obere Rähm angeschlagen.

Das Aufstockungssystem schützt zudem vor Hitze und vor Lärm

OSB-Platten
Zur winddichten Aussteifung wurden die Außenwände innenseitig mit OSB-Platten beplankt.


Das Flachdach der Aufstockung ließ Jestaedt als 280 mm hohe Holzbalkendecke ausführen, in die eine Einblasdämmung eingebracht wurde. Raumseitig ist die Decke mit 25 mm OSB-Platten beplankt. Zusätzlich wurde eine GK-Akustikdecke abgehängt.

Gut eingepackt mit Steinwolle
Die 60 mm Installationsebene wurde noch einmal mit Steinwolle gedämmt und mit Gipskartonplatten geschlossen.

Da die Bahnstrecke durch Nieder- Olm weiterhin in Betrieb ist, mussten alle Innenräume des Bestandsgebäudes und der Aufstockung aber besonders gegen Schall von außen geschützt werden. „Unsere RockShell- Wände erreichen aufgrund der 250 mm dicken Steinwolledämmmodule ein Schalldämmmaß zwischen 54 und 60 dB abhängig von der Fassadengestaltung, also einen für Leichtbaukonstruktionen absolut überdurchschnittlichen Wert“, berichtet Thorsten Wand.


Mit den Fassadentafeln entstand eine hochwertige Aufstockung

RockShell-Außenwände
Vor die RockShell-Außenwände ließ der Architekt eine doppellagige Holzunterkonstruktion setzen, an die die Rockpanel-Fassadentafeln verschraubt wurden. Gefache und Tragkonstruktion wurdn mit Folien gegen Schlagregen geschützt.

In Nieder-Olm wurden die Modulwände von außen mit Fassadentafeln der Serie Rockpanel Natural bekleidet. Zugeschnitten werden die 8 oder 10 mm starken Platten ganz einfach auf der Baustelle mit handelsüblichem Werkzeug. Bei Bedarf können die 3.050 mm langen und 1.200 oder 1.250 mm breiten Fassadentafeln auch gebogen werden. Wandbausystem und Fassadenbekleidung (beide aus dem Haus Rockwool) harmonieren aber nicht nur optisch, sondern auch bauphysikalisch: Durch die senkrecht als Unterkonstruktion für die Fassadentafeln auf die Dämmung aufgebrachten Furnierschichthölzer wird eine Luftschicht
ausgebildet, die zwischen der Dämmstoffoberfläche und den Fassadentafeln zirkuliert. Das nimmt einerseits Winddruck von der Dämmung und schützt andererseits nachhaltig die Bausubstanz. „Eine hinterlüftete Fassade, wie sie hier entstanden ist, gilt zurecht als beständigste Konstruktion für moderne, hoch gedämmte Gebäude“, unterstreicht Thorsten Wand.


Da die Dämmung selbst aus einer verdichteten Steinwolle besteht, sind auch konvektive Luftbewegungen innerhalb des Dämmstoffes nahezu ausgeschlossen. Auf der Innenseite der Dämmschicht sind luftdichte OSB-Plattenangebracht, die eine zusätzliche Sicherheit gegen Wärmeverluste durch die Konstruktion bieten. Die in Nieder-Olm realisierte Außenwandkonstruktion ist damit besonders winddicht und verhindert zuverlässig teure Wärmeverluste. „Da wir auch die Installationsebene noch einmal mit Steinwolle gedämmt haben, bringt die gesamte Wandkonstruktion einen U-Wert von 0,15 W/(m2K) und einen Schallschutz von über 54 dB“, hat Wolfgang Jestaedt ermittelt. So wurde kostenbewusst zeitgemäßer Büroraum geschaffen, der sehr schnell bezogen und vermietet werden kann.