zurück

Holzbau: In sechs Wochen

Immer mehr sieht die Wohnungswirtschaft die Vorteile der Kombination aus Holzbauweise und Trockenbau: Schallschutz, Brandschutz und Wohnkomfort. In Erlangen hat eine Immobiliengesellschaft einen Sechsgeschosser mitsamt angrenzendem Begegnungszentrum komplett aus Holz realisiert. (Foto: Knauf/Stefan Ernst)

Holzbau: In sechs Wochen
Die Holzbetonverbunddecken wurden ohne Unterkonstruktion direkt mit 2 × 18 mm Knauf-Feuerschutzplatten GKF gekapselt. Foto: Knauf/Stefan Ernst

In Erlangen hat die städtische Wohnungsbaugesellschaft Gewobau, zu deren Bestand rund 8.000 Wohnungen zählen, die Vorteile dieser Leichtbauweise erstmals in einem eigenen Projekt erprobt und ein sechsgeschossiges Holzgebäude mit 19 barrierefreien Zwei- bis Dreizimmerwohnungen errichtet. Parallel entstand in der Isarstraßebenfalls in Holzbauweise ein Stadtteilzentrum. Beide Gebäude wurden nach nur wenigen Monaten Bauzeit bereits 2013 fertiggestellt.

Das von B&O Wohnungswirtschaft in enger Zusammenarbeit mit Forschern der TU München und der Hochschule Rosenheim errichtete Pilotprojekt soll den Erlangern als Prototyp für künftige standardisierte Häuser in Holzbauweise dienen. B&O hat bereits mehrere mehrgeschossige Wohnbauten in Holzbauweise erstellt. In Erlangen realisierte das Unternehmen aus statischen Gründen lediglich das Treppenhaus in Stahlbeton. Ansonsten kombiniert das Bauvorhaben Massivholzelemente mit Trockenbauweise. Aus Brandschutzgründen mussten die Decken und die tragenden Holzwände gekapselt werden.

Holzbau: In sechs Wochen
Das Wohngebäude der Gewobau in Erlangen entstand in Massivholzbauweise. Aus Brandschutzgründen wurden Decken und tragende Holzwände mit Gipsplatten gekapselt.

Binnen sechs Wochen entstand der gesamte Rohbau mit seinen sechs Etagen. Dabei wurde das Treppenhaus parallel mit dem Holzbau hochgezogen. „Pro Woche haben wir ein Geschoss fertiggestellt. Zwei Tage haben wir jeweils für die Stahlbetonfertigelemente benötigt, zwei Tage für die Holzbauelemente“, erklärt Jens Eitner, der das Projekt für B&O Wohnungswirtschaft betreute. „Für den Innenausbau in Trockenbauweise sprach vor allem die Flexibilität in der Grundrissgestaltung. Darüber hinaus wäre eine massive Bauweise teurer geworden.“

Trennwände mit 62 dB sind dem Massivbau deutlich überlegen

Holzbau: In sechs Wochen
Zwei Lagen der Schallschutzplatte Knauf Silentboard sorgen für einen Schallschutz von 62 dB. Foto: Knauf/Stefan Ernst
Holzbau: In sechs Wochen
Rechts eine schon fertig beplankte Vorsatzschale. Durch die zweilagige Beplankung mit Silentboard dringen keine unerwünschten Geräusche in die Nachbarwohnung. Foto: Knauf/Stefan Ernst

Die Holzbetonverbunddecken – 8 cm Beton auf einer 16 cm dicken massiven Holzdeckenplatte – ließ die Wohnungsbaugesellschaft im Wohngebäude mit zwei Lagen 18 mm Knauf-Feuerschutzplatten GKF mit Brandschutzzulassung K260 beplanken. Dabei wurden die Platten von den Trockenbauern direkt an die Rohdecke verschraubt. „In der Kinderkrippe mussten wir zusätzlich noch akustische Anforderungen berücksichtigen, weil in den Räumlichkeiten ein hoher Lärmpegel herrscht“, erinnert sich Jens Eitner.

Entsprechend entschied sich der Bauherr dafür, alle Räume flächendeckend mit Schallschutzdecken ausstatten zu lassen. Rings um die mit Dämmung hinterlegte und mit Metall UK abgehängte Akustikdesigndecke in der Ausführung mit gerader Quadratlochung verlaufen Friese und verleihen so der Konstruktion einen ruhigen Rahmen. Mit Ausnahme einer Fassadenseite, die mit Holz bekleidet wurde, wurden die Außenfassaden der beiden Neubauten verputzt. Optisch fallen sie im fertigen Zustand daher nicht mehr aus dem Rahmen der sie umgebenden Massivbauten. Die dahinter liegenden Qualitäten – den schnellen Baufortschritt und die flexible Gestaltungsmöglichkeit – sind trotzdem unübersehbar.