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Hohe Biegekunst

Die Kieferorthopädiezentren „smilike.me“ zeichnen sich durch ein Raumkonzept mit hellen Behandlungsräumen und loungeartigen Wartebereichen aus. Herzstück und Blickfang ist ein futuristisches Infocenter, das als Raumzelle mitten im Raum steht. Die dreidimensionale Sonderkonstruktion wurde in Spantenbauweise spezialangefertigt. (Foto: Knauf/Dirk Masbaum)

Smilike me
Die Raumskulptur schirmt den loungeartigen Empfangs- und Wartebereich zu den verglasten Behandlungszimmern ab. Foto: Knauf/Dirk Masbaum

In den Colonnaden in Hamburg wurde vergangenes Jahr nach Berlin das zweite „smilike. me“-Zentrum eröffnet. „smilike.me“ steht für ein neues Behandlungskonzept in der Kieferorthopädie. Genauso modern wie die Zahnkorrekturmethode präsentieren sich die Räume der barrierefreien Zentren, die an weiteren Standorten entstehen sollen.

Die fortschrittliche Zahnorthopädie setzte das Berliner Architekturbüro ‚Ligne Architekten‘ in eine moderne Raumgestaltung mit einem großzügig-hellen, aber auch gemütlichen Raumkonzept um. Der loungeartige Empfangs-und Wartebereich lädt ein, den ersten Schritt in eine Kieferorthopädiepraxis zu wagen. Beim Betreten fällt der Blick auf eine eiförmige Raumzelle. Mit dem beleuchteten, zurückspringenden Sockel scheint sie zu schweben. Die Knauf- Sonderanfertigung ist Eyecatcher und Kernstück des Raumkonzepts und wird daher auch als „Centerpiece“ bezeichnet. Anika Wolff, Geschäftsführerin von Ligne Architekten, Berlin, erläutert: „Das Centerpiece zoniert den Showroom und schirmt die dahinterliegenden hellen, durch Glaswände abgegrenzten Behandlungsräume gegen den Wartebereich ab.“ Dort sind bequeme Sitzmöbel auf weichen, sandfarbigen Teppichen vor einer Wand aus horizontalen Altholzbohlen gruppiert. Darüber schweben Deckensegel mit verschiedenen Lichtvouten und Effektleuchten.

In dem schallgedämmten „Centerpiece“ finden Beratungsgespräche und Präsentationen mit modernen Informationsmedien statt. „Wir hatten nur 9 m² Grundfläche für das Raum-in-Raum- Objekt zur Verfügung. Also tüftelten wir verschiedene 3-D-Modelle aus und entschieden uns für die ovale Form mit organischen Rundungen und einer eiförmigen Öffnung nach oben. Dadurch wirkt das Innere großzügig und hell, sodass man das Gefühl hat, in einem größeren Raum zu sitzen“, beschreibt Architektin Anika Wolff. Licht fällt durch das breite Fenster vorn, durch das auch der 3-D-Drucker zu sehen ist, mit dem die neuartigen Zahnkorrekturschienen hergestellt werden. Mineralwolledämmplatten dämpfen bei dem entkoppelten Infocenter zusätzlich den Schall von außen und sorgen für diskrete Unterhaltung.

Die Biegeradien bewegen sich an der Grenze des Machbaren
Die Raumzelle in den „smilike.me“-Zentren ist ein Trockenbauprojekt in höchster Komplexität. „Es ist in alle möglichen Richtungen dreidimensional gebogen, mit Biegeradien, die an der Grenze des Machbaren sind“, erläutert Ekkehard Scholz, Knauf Objektmanager Akustiksysteme/ Design. Das dreidimensionale Sonderformteil wurde im Knauf-Werk nach den Architekturplänen aus Einzelteilen vorgefertigt. Die Konstruktion aus Holzspanten mit Metallprofilen erinnert an ein Bootskelett und ist mit 6 mm dicken Formplatten GKB dreifach beplankt. Die Rundungen wurden mit Ringankern aus verleimten MDF-Platten ausgeführt, mit Zapfverbindung eingepasst, verschraubt und verleimt. Das macht die Konstruktion äußerst stabil. Die Trockenbauhüllen innen und außen sind in der Qualitätsstufe Q4 glatt gespachtelt und in einem hellen, weißen Farbton beschichtet, so wirkt das Objekt auch bei Streiflichteinfall perfekt glatt. Auch die umgebenden Wände mit Regalen sind als Brandschutzwände F90 in Trockenbauformteilen mit abgerundeter Vorsatzschale ausgeführt. „Knifflig waren die Anschlüsse der Glastrennwände in den Behandlungsräumen an die Trockenbauteile, die durch pfiffige Ideen von Knauf unkonventionell gelöst werden konnten“, freut sich Stefan Heerde von der Ligne Berlin GmbH, die den Prototyp mitentwickelt hat.

Das „Centerpiece“ in Hamburg ist eine überarbeitete Version des Berliner Prototypen. „In der zweiten Auflage der Raumzelle haben wir beispielsweise nachträglich die Ringanker eingeplant, die für beste Stabilität und saubere Kanten sorgen. Dadurch konnten wir auch den Aufbau so vereinfachen, dass nun jeder gute Trockenbauer in der Lage ist, eine solche Raumzelle aufzubauen. In Hamburg hat der Aufbau reibungslos geklappt, alle Bohrungen sitzen“, freut sich Ekkehard Scholz. Dabei wurde die Unterkonstruktion vorgefertigt, um den Objektaufbau in der zur Verfügung stehenden knappen Zeit realisieren zu können. Ligne-Bauleiter Thomas Wendt: „Es ist wie ein Steckbausystem mit guter Montageanleitung, sodass sich die 70 Einzelelemente gut aufbauen lassen. Wir sind dem Bauherrn dankbar dafür, dass er die Bereitschaft aufgebracht hat, ein solches Bauteil zu entwickeln, das nun der Imageanker vom ‚smilike.me‘ werden wird.“