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Das neue Lernen

Der Neubau des Gymnasiums in Bochum formt eine Acht und ist Teil des Schulzentrums Bochum-Wiemelhausen. Gekurvte Formen prägen auch das Innere und finden sich in einer anspruchsvollen Wand- und Deckengestaltung wieder. (Foto: Andreas Molatta/ Vogl)

Das neue Lernen
Lichtführung. In die Flurdecken wurden an den Seiten Lichtvouten eingefügt, die sich an die Wandführung schmiegen. Für deren Rundungen kamen Formteile zur Anwendung. Foto: Andreas Molatta/ Vogl

Das neue Gymnasium liegt südlich von Bochums Innenstadt in direkter Nachbarschaft zum Naturdenkmal „Geologischer Garten“. Der Neubau (13.435 m²) ist eine architektonische Leistung von hoher gestalterischer Qualität. Der ringförmig angelegte, dreigeschossige Baukörper gliedert sich in den „kommunikativen“ Westring und den „konzentrierten“ Ostring. Geplant hat das Gebäude das Architekturbüro Hascher Jehle Architekten in Berlin.

Um die gekurvte Gebäudegeometrie zu stärken und den fließenden Eindruck der organisch geschwungenen Linien zu unterstützen, gliedert sich die Fassade horizontal. Die Gestaltung des Fassadenbandes entwickelte der Künstler Ulrich Erben in Form von Bändern. Für Wohlgefühl in den Klassenräumen und um die Konzentrationsfähigkeit der Schüler während des Unterrichts zu erhalten, achteten die Erbauer auf Faktoren wie Lichtverhältnisse, Luftqualität, konstante, jährliche Temperatur von 20°–26 °C sowie visuelle, olfaktorische und akustische Reize. Der sommerliche und winterliche Wärmeschutz koppelt sich an ein nutzerorientiertes Heiz- und Kühlsystem.

Highlight in dem Gebäude ist das Atrium, das über eine transparente, etwa 1.000 m² große Dachkuppel von oben belichtet ist. Gehalten wird es von einer leichten, filigranen Stahlkonstruktion, über die sich das dreilagige, pneumatisch gestützte Folienkissendach spannt.

Runde Fassaden erfordern viele Sonderlösungen bei Anschlussdetails

Die Trockenbauarbeiten übernahm das Coesfelder Unternehmen Bohle Innenausbau unter der Federführung von Jörg Ruhnau und Gabriele Branse. Jörg Ruhnau: „Abgesehen von der vorgehängten Fassade und den Treppenhauskernen sind alle raumbildenden Elemente als Trockenbausystemen gebaut.

Durch die gekrümmte Fassade war das Aufmessen schon eine Herausforderung. Jede Flurwand folgt vier bis fünf unterschiedlichen Radien. Und all diese gebogenen Flurwände werden parallel zur jeweiligen Fassade geführt, müssen also im jeweiligen Wandabschnitt an den Fassadenverlauf angepasst werden.

Bedingt durch diese geometrische Grundform, ist jeder Raum trapezförmig. Nur in Ausnahmefällen haben sich die Anschlüsse mit 90°-Konstruktionen realisieren lassen. Und nicht zuletzt sind die Säulen nicht rund, sondern ellipsenförmig, so dass auch hier Sonderlösungen gefunden werden mussten, zumal die Anschlüsse an die Fassade auch hohen Schallschutzanforderungen gerecht werden mussten.“ Aus brandschutztechnischer Sicht gefordert waren natürlich F90-Konstruktionen, was das Ausbauunternehmen mithilfe einer doppelten Beplankung mit Diamant-Platten löste. Als Fluchtweg dienen vier Treppenhäuser mit Außentüren.

Für die Deckenarbeiten wurden Akustiklochdecken und Akustiksegel auf GKBasis eingesetzt (Vogl Deckensysteme). Alle Systemkomponenten sind aufeinander abgestimmt (Profile, Unterkonstruktion, Adsorberplatte „Spachtelfuge“). „Da das Gebäude in Form einer Acht konstruiert ist, mussten natürlich auch die Flurdecken in verschiedenen Radien ausgeführt werden. Wir achteten bei den Trockenbauarbeiten darauf, dass keine Absätze in den Rundungen entstanden, sondern homogene Linien ausgeführt wurden“, erklärt Jörg Ruhnau vom Unternehmen Bohle.

Die Deckensysteme sind schallaufnehmend und luftreinigend

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Akustiksegel. Wer sich in den Räumen wohlfühlen soll, braucht ein entsprechendes Klima. Für diese Zwecke empfiehlt sich eine Adsorperplatte mit Luftreinigungseffekt (ebenfalls Vogl). Mit der Adsorperplatte wird nicht nur der Schall geschluckt, sondern auch die Raumluft gereinigt. Foto: Michael Godehardt/Vogl

Die Akustikdecken kommen in stark frequentierten Zonen zum Einsatz. So dienen Deckensysteme nicht nur als Schallschlucker, sondern auch als Eyecatcher. Der Emskirchner Hersteller bietet Architekten und Planern eine Vielfalt an unterschiedlichen Platten für eine individuelle Deckengestaltung an. Eingebaut wurde hier das System Vogl Akustikdesignplatte „Spachtelfuge“.

Wer sich in den Räumen wohlfühlen soll, braucht ein entsprechendes Klima. Für diese Zwecke empfiehlt Vogl eine Absorperplatte mit Luftreinigungseffekt. „Große Räume benötigen eine sinnvoll abgestimmte Akustik mit entsprechender Lärmminderung“, erklärt Benedikt Roos, Produktmanager bei Vogl. Mit der Adsorperplatte von Vogl wird nicht nur der Schall geschluckt, sondern auch die Raumluft gereinigt. „Schallreduzierung und Raumklima haben in der Innenarchitektur eine größere Bedeutung, als man annehmen mag. Besonders schlechte Luft, unangenehme Kühle oder starke Hitze zählen zu den Raumklimakillern. Sollen in Räumen dazu noch Menschen Leistungen erbringen, braucht es klimatische Bedingungen, in denen man sich einerseits wohlfühlt und andererseits das Immunsystem gesund bleibt“, drückt es Roos aus. Die Platte ist in einem speziellen Verfahren entwickelt worden und beeinflusst positiv Akustik und Raumklima.