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Das Huckepack-Haus

Bei der Dachaufstockung eines Wohnhauses im Bergischen Land entschieden sich die Architekten für eine Konstruktion aus Stahlleichtbauelementen. Die Vorplanung seitens des industriellen Herstellers und der hohe Grad der Vorfertigung sorgten für eine effiziente Baustelle. (Foto: TA)

Dachaufstockung: Das Huckepack-Haus
Wenn es aus baurechtlichen Gründen nicht möglich ist, eine weitere Etage auf das Gebäude zu setzen, ist das Penthouse eine äußerst attraktive Alternative. Foto: TA

Das Mehrfamilienhaus in der Weststraße in Gevelsberg ist ein Neubau, ein besonderer Neubau. Während die ersten vier Geschosse herkömmlich in Massivbau errichtet wurden, ist das Penthouse auf dem Dach eine Stahlleichtbaukonstruktion. Da ein weiteres Geschoss aus baurechtlichen Gründen nicht möglich war, entschieden sich die Architekten Oliver und Daniel Fischer für die klassische Lösung, ein Penthouse auf die oberste Geschossdecke zu setzen. Hätte man dieses Penthouse in Massivbauweise erstellt, dann hätte die darunter befindliche Tragestruktur so verstärkt werden müssen, dass sie das Gewicht fachgerecht in den Boden einleiten kann.

Obwohl es sich bei dem Gebäude darunter um einen Neubau handelt, verzichteten die Architekten auf diesen zusätzlichen Aufwand und entschieden sich für eine Leichtbaukonstruktion. Möglich war eine Konstruktion aus Holz oder Stahl. Dazu Architekt Daniel Fischer: „Natürlich hätte man das Penthouse auch als Holzkonstruktion errichten können. Doch Holz ist ein Baustoff, der arbeitet, Stahl dagegen nicht. Abgesehen davon durften zum Bewilligungszeitraum nur nicht brennbare Baustoffe zum Einsatz kommen. Wir sind hier in Nordrhein-Westfalen, da gilt die alte Gebäudeklasse III bzw. die neue Gebäudeklasse V.“

Das eingeschossige Penthouse hat eine Grundfläche von 124 m², aufgeteilt in Wohnzimmer mit offener Küche, Schlafzimmer und zwei Bädern. Erschlossen wird es durch einen Aufzug. Das Haus ist nach neuestem energetischem Standard gebaut (Effizienzhaus 55). Auffällig sind die vielen Fenster. Architekt Daniel Fischer: „Ja, wir haben bewusst Tageslicht in das Haus hineingebracht. Hätten wir uns auf die gesetzlich vorgeschriebene Fensterfläche beschränkt, hätte das Haus viel von seinem Charme verloren. So gewinnen alle Räume Leichtigkeit und Großzügigkeit bei einem schönen Rundumblick.“

Fünf Tage Bauzeit reichen für den Rohbau

Durch den hohen Grad an Vorfertigung beschränkte sich der Aufbau der Raumzelle auf lediglich fünf Tage. Die zehn Außenwandelemente wurden einseitig beplankt mit dem Tieflader angeliefert und mit dem Kran auf das Dach des Gebäudes gehievt und dort montiert. Herzstück des Cocoon-Systems ist ein Weitspannträger, der auch in Deutschland für den Bau tragender Raumstrukturen (z. B. selbsttragende Wände, Geschossdecken, ganze Raumzellen etc.) zugelassen ist. Seine Festigkeit ist so ausgerechnet, dass im Wohnungsbau nahezu alle Decken stützenfrei ausgeführt werden können. Beplankt sind die Decken- und Wandelemente mit der neuen Knauf Diamant-X-Platte, deren aussteifende Wirkung zertifiziert ist. Das Aufstellen der Wandelemente per Kran war für die Fa. Schmücker als Holzbauunternehmen Alltagsgeschäft.

Danach begann der eigentliche Ausbau der Raumzelle. Im ersten Schritt wurden dazu zunächst die innenseitigen Wände ebenfalls mit einer doppelten Lage Diamant- Platten geschlossen und die Fenster eingebaut. Da es sich bei den Wänden um tragende Außenwände mit genau definierten Vorgaben in Sachen Brand- und Schallschutz handelt, verzichteten die Planer auf jegliche Installationen innerhalb der Wand und planten stattdessen eine Installationsebene vor der Wand. Architekt Daniel Fischer: „Natürlich verkleinert eine zusätzliche Wandschale die vermietbare Fläche etwas. Doch der Verlust ist unerheblich gegenüber den Vorteilen. Die Außenwand garantiert auf diese Weise die vom Hersteller zugesicherten Eigenschaften. Und die zusätzliche Vorwand leistet darüber hinaus noch einmal einen Beitrag zum Schallschutz und zur energetischen Ausrüstung des Hauses. Und nicht zuletzt läuft man bei dieser Vorgehensweise nicht Gefahr, dass eines der Gewerke im Zuge seiner Arbeit die Luftdichtheitsschicht beschädigt.“

Die luftdichte Ebene liegt im Gevelsberger Objekt auf der oberen Lage der Innenseite jeder Wand, wo sie ohne Problem befestigt und die Hülle abgedichtet werden kann. Nach dem Ende der Arbeiten der technischen Gewerke wurden die Vorwände mit Diamant-Platten geschlossen und die Malerarbeiten begannen.

Fazit: Ein System für die fehlenden Wohneinheiten in Deutschland

Wenn die 400.000 fehlenden Wohneinheiten in Deutschland in kurzen Zeiträumen auf den Gebäudebestand gebaut werden sollen, ist dieses System dafür geradezu prädestiniert. Durch die hohe Vorleistung des Systemgebers und das Komplettprogramm der Konzernmutter Knauf lassen sich fehlende Wohneinheiten schnell und effizient errichten.