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BER Deckensysteme: Holzakustik in Raumzellen

Der Neubau des Probenraums des Thomanerchors besteht aus einer großen Raumzelle, die in einen modernen Neubau eingestellt worden ist. Holzakustikelemente, als Welle ausgebildet und auf Lücke gesetzt, bilden den erlebbaren Raum und sorgen für einen vom Akustiker vorgegebenen Nachhall. (Foto: Christoph Kublun)

BER Deckensysteme: Holzakustik in Raumzellen
Gegründet wurde der Knabenchor auf Initiative des Markgrafen Dietrich des Bedrängten von Meißen, zusammen mit der Thomasschule. Deren Absolventen sind namhafte Persönlichkeiten wie der Komponist Richard Wagner. Foto: Christoph Kublun

Die Geschichte des Thomanerchors reicht bis ins Jahr 1212 zurück. Seine weltweite Bekanntheit verdankt der Thomanerchor auch der Leitung durch zahlreiche bekannte Musiker und Komponisten. Der bedeutendste Thomaskantor war Johann Sebastian Bach. Die Mitglieder des Chors sind Teil der Gesamtschülerschaft der Thomasschule und leben im dazugehörigen Internat, dem Thomasalumnat. Dieses wurde im Jahr 2013 saniert, umgebaut und um einen neuen Probensaal erweitert.

Den ersten Preis im Architektenwettbewerb belegte die Eßmann I Gärtner I Nieper Architekten GbR, mit Sitz in Darmstadt und Leipzig. Der neue Probensaal des Thomanerchors befindet sich in einem zu diesem Zweck ebenfalls neu errichteten „Wirtsgebäude“, einem Anbau an die bestehende Substanz. Der klar gestaltete Neubau entspricht einem modernen Selbstverständnis von Transparenz und Teilhabe der Öffentlichkeit an Veranstaltungen. Die Möglichkeit, von außen einer Veranstaltung zuschauen zu können, war ausdrücklich gewünscht.

BER Deckensysteme: Holzakustik in Raumzellen
Der eigentliche Probenraum ist eine Raumzelle mit einer tragenden Struktur aus Vierkantrohren, die in das Wirtsgebäude eingestellt ist. Foto: Christoph Kublun

Der darin neu eingerichtete Probensaal ist eine Raum-in-Raum-Konstruktion, die das Wirtsgebäude nur in statischer Hinsicht nutzt. Die tragende Struktur dieser Raumzelle ist eine Stahlkonstruktion aus Vierkantrohren, die an Decke und Boden befestigt ist. Der Eckstoß zwischen den horizontal und den vertikal verlaufenden Akustikrippen ist schiefwinklig ausgebildet. Die Elemente waren außerdem gegenüber dem Grundriss verdreht und gegenüber der Decke geneigt zu montieren, was ihre akustische Wirksamkeit unterstützt und den gestalterischen Absichten der Architekten entspricht.

Seine wahrnehmbare Gestalt erhielt der Probensaal durch akustisch wirksame Holzelemente. Perforierte, mit Furnier vom amerikanischen Kirschbaum ausgestattete Absorber, sogenannte „Akustikrippen“, wurden horizontal und vertikal an dieser Raumzelle befestigt. Die Akustikrippen sind versetzt angeordnet, also „auf Lücke“ gestellt. Dadurch kann man sowohl in den Saal hinein- als auch hinausschauen. Die Submission gewann HTS Bau aus dem sächsischen Frankenberg.

Die Raumzelle steht in einem rundum verglasten Großraum

BER Deckensysteme: Holzakustik in Raumzellen
Holzelemente als wandhohe Paneele prägen den erlebbaren Raum an Decke und Wand. Die Transparenz zum Außenraum ist gewünscht. Foto: Christoph Kublun

Da das Wirtsgebäude als eigene umhüllende Raumeinheit dient, begannen hier die Ausbauarbeiten. Zu montieren waren zunächst ca. 125 m² Unterhangdecke aus Gipsplatten, sichtseitig schwarz beschichtet. Dann wurde von HTS Bau ca. 180 m² Stahlunterkonstruktion montiert, welche später die Akustiklamellen trägt. Das Stahltragwerk für die Raumzelle bildet eine geschweißte Stütze-Riegel-Konstruktion, Ausführung als Raumtragwerk.

Dieses besteht aus Stahlhohlprofil, und zwar als Quadratrohr 60 × 60 mm. Der Anschluss der Stützen war auf bauseits vorhandene, in den Boden eingelassene Stahlhülsen abzustimmen. Daran waren auf Gehrung gearbeitete, U-förmige Elemente aus furnierten MDF-Platten verdeckt zu befestigen.

Für die bühnenseitige Wand des Probensaals waren außerdem ca. 15 m² Glasvitrinen verschiedener Abmessungen für Nischen in der Wandbekleidung zu liefern und zu montieren. In diesen Vitrinen sollten später die 13 Porträts der Thomaskantoren untergebracht werden.

Holzakustikelemente sorgen für eine warme Atmosphäre

BER Deckensysteme: Holzakustik in Raumzellen
Die von BER gelieferten Akustikrippen haben eine Ansichtsbreite von 600, 800 und 1.200 mm. Sie sind 120 mm tief und bestehen aus zwei U-förmigen Halbschalen mit je 60 mm Tiefe. Foto: Christoph Kublun

Die eingesetzten Akustikrippen (BER Deckensysteme) haben eine Ansichtsbreite von 600, 800 und 1.200 mm. Sie sind 120 mm tief und bestehen aus zwei U-förmigen Halbschalen mit je 60 mm Tiefe. Verwendet wurde die geschlitzte BER-Holz- F-Akustikplatte, Typ S 3–16 mm, Trägerplatte der Baustoffklasse B1, schwer entflammbar nach DIN 4102. Eine der Halbschalen bzw. Ansichtsflächen, die raumseitige Fläche, ist perforiert. Diese Fläche wirkt schallabsorbierend nach DIN EN ISO 11654.

Geschlossen hingegen ist die rückseitige, zur Glasfassade des Probensaals zeigende Halbschale, sie wirkt schallreflektierend. Die Eckverbindung der drei Teile der U-förmigen Schalen besteht aus einer Gehrung, welche werkseitig verleimt wurde. Für die Gesamtfläche der horizontal und vertikal montierten Akustikrippen wurden 435 Einzelsegmente verschiedener Längen und Breiten gefertigt.

Für die Monteure war die fehlende Rechtwinkligkeit der „Knackpunkt“ der Ausbauarbeiten. Dazu Mario Martin, Vorarbeiter von HTS Bau: „Wir mussten die Kreuzungspunkte der Akustikrippen aufeinander abstimmen und die Passstücke exakt zuschneiden, um ein hundert prozentig sauberes Bild hinzubekommen.“ Denn die Achsen der Stahlhülsen im Boden zur Aufnahme der Stahlunterkonstruktion wichen, entsprechend zulässiger Toleranzen, untereinander ab.

BER Deckensysteme: Holzakustik in Raumzellen
Die Passelemente oberhalb der Holzpaneele zeigen, dass der Anschluss an die Decke jeweils unter einem anderen Winkel erfolgt. Deshalb ist jedes (vorgefertigte) Element vor Ort zugeschnitten worden. Foto: Christoph Kublun

Es war also ein exaktes Aufmaß vor Ort erforderlich, auf dessen Basis die Techniker des Herstellers dann eine Werkplanung erstellten. Die Werkplanung war zugleich Grundlage der Fertigung der vielen Einzelelemente, die in etlichen verschiedenen Längen benötigt wurden. Zuerst wurden die senkrechten Hohlprofile in bauseits vorhandene Bodenhülsen eingeschoben und daran befestigt. Dann wurden die waagerechten Hohlprofile von der Rohdecke abgehängt und mit den senkrechten Hohlprofilen verbunden.

Die Wahl eines geeigneten Befestigungssystems oblag der HTS Bau GmbH. Sie schlug den Architekten vor, die senkrechten Akustikrippen mit Einhängeprofilen zu befestigen. Man begann nun mit dem Einbau der senkrechten Akustikrippen, die aus zwei U-förmigen Halbschalen bestanden. Diese Schalen wurden dabei mit Flachfedern verbunden. Im Zuge der Montage wurde der Anschluss an den Deckenhohlraum mit einem Fries aus ungelochten, furnierten MDF-Platten verkleidet, wobei ein 60 mm breiter, offener Lüftungsschlitz ausgebildet wurde. Zur Decke hin wurde eine 30 mm breite Schattenfuge realisiert, die mit schwarz beschichtetem Aluminiumblech hinterlegt wurde.

BER Deckensysteme: Holzakustik in Raumzellen
Beide Bilder zeigen, dass auch die Wandpaneele der Raumzelle nicht in einer Flucht laufen. Dadurch wird eine diffuse Schallausbreitung gefördert. Foto: Christoph Kublun

Zwischen den senkrechten Akustikrippen war im Bereich bis 1 m Höhe eine absturzsichernde Verglasung zu montieren. Sie besteht aus verdeckt befestigtem VSGFloatglas nach DIN EN 572-2 in der Dicke 8 mm und der Breite 30 cm. Dann erfolgte der Einbau der waagerechten Akustikrippen, ausgehend von der Raummitte. Im Anschluss an die senkrechten Akustikrippen wurden Abschlusspasselemente zugeschnitten und befestigt. Eine Besonderheit bei den waagerechten Akustikrippen war, dass die verbauten Winkel an der Stahltragkonstruktion gegen Verrutschen und Herabfallen gesichert wurden, indem man sie mit Schrauben arretierte. Bei der Ausführung der Arbeiten unterhalb der Decke war die Abstimmung mit der Firma notwendig, die mit den Lüftungseinbauten und der Beleuchtung des Saals beauftragt war. Die Wertung von Dipl.- Ing. Lutz Dropczynski, Bauleiter der Eßmann I Gärtner I Nieper Architekten GbR: „Die Zusammenarbeit mit der HTS Bau GmbH war hervorragend.“