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Dicht und druckfest

Um Keimfreiheit gewährleisten zu können, mussten die Labore im neuen Biologicum der Frankfurter Universität gasdicht ausgeführt werden.

Bis zum Jahr 2014 ist geplant, alle Einrichtungen des Fachbereichs Biowissenschaften der Universität gemeinsam hier am Campus Riedberg unterzubringen. Das markant-funktionale, von Gerber Architekten, Dortmund, entworfene Gebäude bildet den westlichen Abschluss der Campus-Bebauung. Auf mehr als 10.000 m² Hauptnutzfläche ist hier neben Hörsälen, Labors, Büros und einer Cafeteria auch ein Tierhaus untergebracht.

Der Innenausbau der Laborräume des Tierhauses erfolgte komplett in Trockenbauweise. Bei der Wahl der Baumaterialien musste berücksichtigt werden, dass im Bereich der Tierhaltung, der Vorbereitungs- und Untersuchungsräume ein feuchtebeständiges und ein für die Dekontamination geeignetes Wandplattenmaterial zum Einsatz kommt. Um sterile Arbeits- und Umfeldbedingungen gewährleisten zu können, bestand die Anforderung, dass alle Räume im Falle einer Kontamination mit einer H2O2-Begasung (Wasserstoffperoxid) wieder in einen absoluten keimfreien Zustand versetzt werden. Diese Forderungen in Verbindung mit einer geeigneten Oberflächenbeschichtung bildeten den Grundstein für den Einsatz der zementären Powerpanel H2O-Platten (Fermacell).

Die Leichtbeton-Bauplatten bieten Feuchte-, Schall- und Brandschutz

Die beidseitig mit einem alkaliresistenten Glasfasergewebe armierten Leichtbeton-Platten mit Sandwichstruktur sind diffusionsfähig (Wasserdampf-Diffusionswiderstandszahl von µ = 56), schimmelpilzresistent und vor allem widerstandsfähig gegen Wasser. Die Platten können in sämtlichen Feuchtigkeitsbeanspruchungsklassen (gemäß ZDB-Merkblatt von Januar 2005 "Hinweise für die Ausführung von Verbundabdichtungen mit Bekleidungen und Belägen aus Fliesen und Platten für Innen- und Außenbereich") eingesetzt werden und sind auch für chemische Beanspruchungen in gewerblichen Bereichen geeignet.

Hinzu kommt eine hohe Stabilität. Powerpanel H2O ermöglicht hoch belastbare Konstruktionen und bildet damit gleichzeitig einen guten Untergrund für Fliesen. Als zementgebundenes Produkt ist die Platte zudem nicht brennbar und entspricht der Baustoffklasse A1. Bei der hier gewählten doppellagigen Wandkonstruktion kann mit entsprechender Hohlraumdämmung die Brandschutzklasse bis F120 erreicht werden. Außerdem bietet Powerpanel H2O einen guten Schallschutz: Bereits bei einlagiger Beplankung und entsprechender Hohlraumdämmung werden 47 dB erreicht, bei zweilagiger Verarbeitung 55 dB.

Eine PVC-Folie sorgt für eine gasdichte Sicherungsebene

Die Verarbeitung erfolgte auf Profilen mit feuchtraumgeeignetem Korrosionsschutz nach DIN EN 13964 sowie mit Befestigungsmitteln, die ebenfalls den Anforderungen an den Korrosionsschutz entsprachen. Hersteller Fermacell hat hierfür spezielle Schrauben mit einer entsprechenden Beschichtung entwickelt. Die geforderte Korrosionsbeständigkeit wurde in umfangreichen Tests im Salzsprühnebel bestätigt. Eine optimierte Gewindegeometrie sorgt zudem für das schnelle Eindringen ohne aufwendiges Vorbohren und garantiert sicheren Halt in der Unterkonstruktion. Der Schraubenkopf lässt sich außerdem gut in der Platte versenken.

Die Platten der unteren und der oberen Lage wurden mit Klebefugentechnik ausgeführt. Hierbei wird der Fugenkleber in flacher Wulstform per Kartusche auf die gerade und staubfreie Schnittkante der Platte aufgebracht. Im nachfolgenden Arbeitsgang wird die nächste Platte im Stoßkantenbereich dagegen gepresst und konventionell auf der Unterkonstruktion verschraubt. Die Fugenbreite der Klebefuge ist dabei nicht größer als 1 mm. Zwischen den beiden Plattenlagen und der Unterkonstruktion wurde auf der Raumseite der Tierhaltung in den Vorbereitungs- und Untersuchungsräumlichkeiten eine 0,8 mm starke PVC-Folie als gasdichte Sicherungsebene angeordnet und durch Verkleben auf der Unterkonstruktion befestigt. Anschließend wurden die Platten montiert und dabei durch die Folie hindurch wie gewohnt in der Metallständerunterkonstruktion verschraubt. Durch die Verschraubung wird die Folie zwar perforiert, die Gasdichtheit ist jedoch weiterhin gegeben. Der Deckenanschluss erfolgte, indem die Folie bis zur Rohdecke hochgeführt und dort mit einem Plattenstreifenriegel direkt in der Rohdecke befestigt wurde. Im Bereich des Bodenanschlusses wurde die PVC-Folie bis auf den Rohfußboden geführt und luftdicht verklebt.

Eine Beschichtung macht die Desinfektion der Wände möglich

Für die Beschichtung der belasteten Oberflächen im Wand- und Deckenbereich des Tierhauses mussten die verwendeten Materialien mit besonderer Sorgfalt ausgewählt werden. Um auch an schwer zugänglichen Stellen einen dauerhaften Schutz vor Besiedlung mit Mikroorganismen zu gewährleisten, wurde das Top-Coat-System 700 der Firma Rohde KG

als Oberflächenbeschichtung eingesetzt, das sich die Wirkung von elementarem Silber zunutze macht. Das System wirkt auch bei MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) und erzeugt keine Resistenzen. Die Desinfektion der Oberflächen ist mit allen gängigen Verfahren und zugelassenen wässrigen und organischen Mitteln möglich. Vorraussetzung des Einsatzes im Tierhaus war auch, dass das Oberflächenbeschichtungssystem H2O2-beständig ist. Die komplette Gasdichtheit des Wandsystems wird zusätzlich mit der vollflächigen Oberflächenbeschichtung des Top-Coat-Systems erzielt. Die Dichtigkeit der einzelnen Räumlichkeiten wurde bereits während der Bauphase kontinuierlich mit Druckprüfungen bis 105 Pa überprüft.


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